Von der „Kunst der Möglichkeit“ bin ich fasziniert: kreativ sein, Unverbundenes verbinden, Perspektiven verändern, neue Wahrnehmungsformen finden – in der Kunst ebenso wie in der Gesellschaft. Diese Faszination begleitet mich vom Entstehungsprozess meiner Werke über ihre Vermittlung bis hin zum gesellschaftlichen Dialog, der integraler Bestandteil meiner Projekte ist. Für mich gibt Kunst auch ein Impuls, immer wieder neu zu denken – wie vor einem leeren weißen Blatt.
Diese Haltung setze ich in Projekten und Ausstellungen um, die durch Workshops, Diskussionen, Interaktionen und andere Formen der Zusammenarbeit zwischen Kunst und Gesellschaft erweitert werden. Kunst verstehe ich als Möglichkeitsraum – besonders in Zeiten tiefgreifender Veränderung.
Meine Werke aus handgeschöpftem Papier rolle ich ein und aus, lasse sie an der Decke schweben oder befestige sie in verschiedenen Formen an der Wand. Oft sind Teile meiner Malerei verborgen – eingerollt, in Büchern zugeschlagen oder auf der Rückseite bemalt – und doch existieren sie, auch wenn sie nicht sofort sichtbar sind.
Wenn ich meine Papierrollen in den offenen Raum hänge, werden sie zu Spiralen. In diesen Formen spiegeln sich die Sehnsucht und Vision vom Fliegen wider, und ich greife dabei auf eines der ältesten Symbole der Menschheitsgeschichte zurück: die Spirale. Weißes, leeres Papier setze ich bewusst ein – es ist ein Zeichen der Inspiration, ein Raum des „Alles-kann-Sein“.
Durch die Vielfalt der Formgebung meiner Kunst – Bild, Skulptur, Plastik, Malerei, Leerräume als Orte des Möglichen – werden sie zu Symbolen der Wandlungsfähigkeit – zur Kunst der Möglichkeit. Es sind „offene Kunstwerke“ und auch ein Impuls für unsere Gesellschaft, kreativ und offen auf Veränderungssituationen zu reagieren. Zu meinem Verständnis von der Bedeutung von Kunst gerade bei gesellschaftlichen Veränderungsprozessen siehe dazu „Anmerkungen zu meiner Kunst“ und die Seite Autorin.
Zum ersten Mal in seiner Geschichte öffnet sich der Dachboden des Stephansdoms für eine Kunstausstellung einer breiten Öffentlichkeit. Im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen am 29. Mai 2026 zeigen Sabine Maier und Beate Winkler die installative Ausstellung „Aufbruch – Dialog im Zwischenraum“ an einem Ort, der Geschichte, Zuversicht und Wandel in sich trägt.
Unsere Welt verändert sich dramatisch. Deshalb braucht sie nicht nur Räume für den Dialog, sondern auch Zwischenräume, in denen Begegnung und neues Denken möglich sind. Genau diese Möglichkeiten schaffen Maier und Winkler mit ihren Arbeiten: zwischen Vergangenheit und Zukunft, Verunsicherung und Hoffnung, Materie und Bedeutung.
In ihrer Gegensätzlichkeit – z.B. Sabine Maier arbeitet vorwiegend in schwarz-weiß-grau und Beate Winkler ist farbintensiv in ihren Werken; Sabine Maier arbeitet auf dem Boden, Beate Winklers Welt sind die Höhen, das Schweben – ergänzen sich beide Künstlerinnen und verbinden unterschiedliche künstlerische Ansätze.
Es entsteht ein Dialog mit dem Raum, zwischen den beiden Künstlerinnen und den Besucher:innen, die durch Interaktion eingebunden werden. An einem Ort, der Vergangenheit und Zukunft verbindet, werden sie um ihre Träume von einem neuen „WIR“ gebeten.
Sabine Maier sammelt das Unsichtbare – Staub und Mikropartikel, die Spuren von Zeit, Geschichte und Erinnerung in sich tragen. Seit 2011 entwickelt sie ihr Langzeitprojekt Microcosmos, das sie von Künstlerateliers zu bedeutenden geografischen und historischen Orten führt. Die Partikel werden konserviert und als Serien geordnet. In der Projektion erscheinen die Fragmente als schwebende, leuchtende Bildkörper zwischen wissenschaftlicher Präzision und poetischer Fragilität. Es ist kein Fotografieren im herkömmlichen Sinn, sondern eine künstlerische Übersetzung von Materie. Räume mit Geschichte bewahren unsichtbare Spuren, die so als fragile Bildarchive erfahrbar werden. Seit über 30 Jahren ist Sabine Maier international tätig, ihre Arbeiten wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. www.machfeld.net
Kreativ sein, vielfältige Lösungsansätze für unsere Probleme entwickeln, Chancen wahrnehmen – ins Handeln kommen. All das brauchen wir gerade jetzt in Zeiten des Wandels und vielfacher Verunsicherung. Meine Ausstellung und das Projekt: „Farbe im Kopf- Kunst im Dialog“ setzt einen Impuls, unsere Welt, unsere Gesellschaft und uns selbst in Möglichkeitsräumen zu sehen, die wir leben könnten. Sie will ermutigen, die Transformation, in der wir uns befinden, als Chance zu begreifen – im Dialog mit Besucher: innen und der Kunst. Gerade in Zeiten epochaler Umbrüche, wie wir sie jetzt erleben, ist Kunst eine zentrale Kraft für die Gestaltung von Herausforderungen. Sie bietet Freiraum für neues Denken, Kreativität und Innovation. Kunst vermittelt Sinn und antwortet auf tiefe menschliche Bedürfnisse. Kunst und Kultur stärken Identität, zeigen Wege in das „Freie“, ermöglichen einen Perspektivenwechsel – und nicht zuletzt vermitteln sie Schönheit und Lebensfreude.
Das Projekt wird begleitet von Diskussionsveranstaltungen – z.B. zu „Das Potential: Die Bedeutung von Kunst und Kultur in Veränderungsprozessen” oder „Frauenbilder-Männerbilder: Wie wollen wir zusammen leben?”, Lesungen und einer Interaktion wieder zum Thema „Zukunftsbilder für ein neues WIR“
Am 15. September 2022 wurde die Ausstellung „Transforming“ als Auftakt von und im Rahmen des Projekts „#newTogether“, in der Jecza Gallery, Timisoara, in Anwesenheit des Bürgermeisters Dominik Fritz, der österreichischen Botschafterin Adelheid Folie, der Galeristin Sorina Jecza und zahlreicher Gäste eröffnet.
Die Ausstellung „Transforming“ ist wesentliches Element von dem Projekt #newTogether, an dem ca. 100 Künstler*innen und Wissenschaftler*innen und 24 Organisationen beteiligt waren und bei dem Zukunftsbilder und Lösungsvorschläge für Probleme unserer Zeit erarbeitet wurden.
In dem Projekt geht es auch darum, Kunst als Ort neuer gesellschaftlicher Initiativen zu begreifen. Es umfasst unterschiedliche Bereiche und besteht u.a. aus weiteren künstlerischen Arbeiten, Workshops, Dokumentarfilm, Interaktionen und nicht zuletzt aus einem Buch der Visionen für ein „new Together“.
Am 7. März 2019 wurde Beate Winklers Ausstellung „TRUST / CHANGE“ im Österreichischen Kulturforum Warschau eröffnet. Auch hier war sie Impuls und Basis für innovative Formen des Dialogs. Kunst als elementare Ressource in Zeiten tiefgreifender Veränderungen, Perspektivenwechsel, Zukunftsbilder und Interaktion mit den Besucherinnen und Besuchern waren mit der Ausstellung „Trust/Change“ verknüpft.
Begleitet wurde sie von Workshops, einer Performance und einer interaktiven Installation von Beate Winkler. Dies wurde zusammengefasst unter dem Titel „Zukunftsbilder für ein neues WIR – Kunst und Dialog“.
Am 11. Januar 2017 wurde ihre Ausstellung „Strong in Hope“ im Österreichischen Kulturforum Berlin eröffnet. Die Ausstellung bildete den Rahmen des Gesamtprojektes „Strong in Hope – Zukunftsbilder für eine neues WIR“, bei dem ca 100 Pionierinnen und Pioniere aus Deutschland und Österreich zusammenkamen, um Zukunftsbilder für ein neues WIR zu entwerfen.
Gerade in Zeiten epochaler Umbrüche vermag Kunst durch ihre Offenheit und Unabhängigkeit ein wichtiger Wegweiser für neue Herausforderungen zu sein. Der künstlerische Diskurs ist dabei – und das zeigt das Werk von Beate Winkler sehr schön – nicht bloß Gegenwartskritik oder gesellschaftliche Opposition, sondern virulente, existentielle Kraft generell. Je weniger sie dabei funktionalisiert wird, umso mehr kann sie Sensorium und Kompass für gesellschaftliche Befundung sein.
Carl Aigner, Direktor Museum NÖ (St. Pölten), zur Ausstellung „Strong in Hope“
Am 28.03.2017 zeigte Beate Winkler in Berlin im Haus der Bundespressekonferenz die Installation „Kunst der Veränderung“. Auch hier verband sie ihre Kunst mit einem „Talk“.
Bilder von Beate Winkler wurden z.B. in Graz gezeigt. Die Ausstellung „Welten – Tore“ war vom 21. Mai bis zum 12. Juli 2012 in der Flughafengalerie Graz zu sehen.